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Tatort - Stille Wasser

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Tatort: Stille Wasser

Zugegeben, ich bin eine Leseratte und kein Fernseh-Fan und wenn ich mir mal einen Krimi ansehe, dann meist Monk, CSI Miami oder House – wenn man das auch als Krimi bezeichnen kann. Aber Crime bleibt Crime und auch ein Tatort zieht mich von Anfang an in seinen Bann.

"Stille Wasser" beginnt im Wasser. Eine Party unter Jugendlichen ist mit einem Schlag vorbei, als ein Mädchen tot aus dem Pool gefischt wird. "Drogen" stellen die Beamten fest, und natürlich wissen sie auch schon genau, welche. (Keine Ahnung, wieso unsere Rechtsmediziner immer so lange dazu brauchen?!) Woher die Drogen stammen, ist die einzige offene Frage. Hauptkommissarin Inga Lürsen ist mit ihrem Kollegen Stedefreund kaum am Ort des Geschehens angekommen, als die beiden auch schon zu einer Messerstecherei gerufen werden.

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Copyright: ARD Degeto

Jetzt geht's mir etwas zu schnell. Wenn ein Detektiv an einem Fall eingesetzt ist – wie hier bei der Drogentoten – wird er nicht einfach abgezogen und an den nächsten Fall geschickt. Und kaum ist Inga Lürsen am blutverschmierten Tatort, zieht sie Schlag auf Schlag ihre Schlüsse und rennt einem Spurenvernichtungs-Kommando gleich in der Wohnung umher. Dabei liegen die Mordopfer noch am Boden, was darauf schliessen lässt, dass die Tatort-Sicherung noch in vollem Gange ist. Scheinbar cleverer als mein Lieblingsermittler Monk weiss sie sofort, dass das tote Paar ein Kind hat und dieses den Mord mit angesehen hat. Dieses Kind, Nadine, findet sie dann auch kurz darauf und bringt es aus dem Haus, damit es im Krankenhaus untersucht werden kann. Vor dem Haus stehen nicht nur Schaulustige sondern auch Fotografen. Dass diese in der Realität nicht so nahe heran gelassen werden, versteht sich von selbst. Mitten aus dem Leben gegriffen ist hingegen die Tatsache, dass die Zeitungen am nächsten Tag auf der Frontseite ein Bild der kleinen Augenzeugin bringen mit der Schlagzeile, dass sie die einzige Zeugin der Tat ist. Darüber ist Inga sehr in Rage. Dass die Medien in ihren oft wenig fundierten Berichten voreilige oder falsche Schlüsse ziehen, kommt leider immer häufiger vor. Denn der Druck unter den immer zahlreicher werdenden Medien steigt ungefähr parallel zur Anzahl Handy-Reporter.

Nun muss Inga Lürsen also dafür sorgen, dass ihre Hauptzeugin, die ob der grässlichen Tat ihre Sprache verloren hat, nicht auch noch dem Mörder zum Opfer fällt. Sie richtet sich mit Nadine in der Wohnung ein und gibt sich als deren Tante aus. (Wo bitte sind die Vorgesetzten, die ein solches Vorgehen gutheissen müssten?) Inga säubert die Wohnung von dem ganzen Blut. Dabei legt sie allerdings ihre Waffe auf einem Tisch ab und begeht damit einen unentschuldbaren Fehler, vor allem weil auch noch ein Kind in der Wohnung ist. Dass ihre beiden Kollegen derweil von aussen die Siedlung überwachen, ist verständlich. Dass in dieser riesigen Siedlung die erste und einzige Person, die im Dunkeln daher kommt, gleich die gesuchte Täterschaft ist bzw. sein muss, lässt mich aber schmunzeln, auch wenn sie danach unerkannt entkommt.

Die Suche im Umfeld der beiden Opfer führt in den nüchternen Supermarkt, wo Yvonne Berthold gearbeitet hatte. Er wirkt unverdächtig. Mehr bietet der grosse Container-Hafen, Arbeitsort von Frank Berthold. Die stimmungsvollen Bilder vom Hafen und die interessanten Details über den Warentransport in vergasten Containern gefallen mir. Es fällt mir aber schwer, den hektischen Unterhaltungen zwischen den Arbeitskollegen zu folgen. Bald zeigt sich, dass Franks Kollegen, die "Entgaser", in eine Drogengeschichte verwickelt sein müssen. Ein Konflikt zwischen den Betäubungsmittel-Fahndern und den Leuten von der Mordkommission bahnt sich an. Da stehen sich verschiedene Interessen gegenüber, was durchaus real ist. Dass daraufhin die Betäubungsmittel-Fahnder zusammen mit uniformierten Polizisten eine vermutete Drogenlieferung überwachen, ist aber ungewöhnlich. Fahnder wollen schliesslich nicht mit der Polizei in Verbindung gebracht werden.

Als sich die Lage zuspitzt und die Polizisten in der Wohnung eines Verdächtigen einfahren, gibt es keine Geheimnisse mehr. Die Tür steht weit offen und die neugierigen Nachbarn können die Hausdurchsuchung und sämtliche Gespräche direkt mitverfolgen. Dass das in der Wirklichkeit nicht so ist, können viele enttäuschte "Gaffer" bestätigen.

Bis zum Geständnis der Täterin ist es nun nicht mehr weit. Der Fall ist abgeschlossen – wie immer im Fernsehen, ohne dass die handelnde Detektivin einen einzigen Rapport geschrieben hätte. Worauf soll sich der Staatsanwalt oder das Gericht später abstützen?

Die Geschichte ist spannend und an sich gar nicht so unrealistisch. Sie hat mich auf jeden Fall gepackt. Die Schauspieler mit ihrer überzeugenden Leistung haben dazu natürlich ihren Teil beigetragen.

Brigitte Vogt Stadtpolizei Zürich
Infostelle Polizistin, Redaktorin Stapo-Info (Mitarbeiterzeitung)