——
Portail / Actuel / Tatort - Experten rezensieren den Fernsehkrimi / Tatort - Am Ende des Tages
Tatort: Am Ende des Tages
Rudi Fromm steht als Leiter der Mordkommission vor der offenbar ersehnten und auch ver-dienten Pensionierung. Beides ist nicht selbstverständlich. Doch jäh holt ihn die, wie sich später herausstellt, berufliche Vergangenheit ein. Ein Albtraum, den wahrscheinlich jeder Beamte schon einmal hatte und der auch schon wahr geworden ist. Ich denke da an die Tragödie von Ponte Capriasca TI vom 3.12.2002. In der Folge stürzt Rudi Fromm psychisch, physisch und auch gesellschaftlich ab, macht ihn schliesslich seine betrogene Ehefrau für den Tod der gemeinsamen Tochter verantwortlich. Äusserst erfrischend ist, dass am Ende kein eigentliches Happy-End die Tragik in der Geschichte verdirbt.
Trotzdem trüben aus polizeilicher Sicht viele kleine Details den Filmspass. Die Erkenntnisse der Spurensicherung am ersten Tatort beschränken sich auf die Tatwaffe. Der Umstand, dass der Täter aus der Milchflasche getrunken hatte und somit DNA oder Fingerabdrücke hinterlassen haben könnte, trägt nicht zur Klärung des Falles bei. Aber ein Tatort soll ja auch kein flacher C.S.I.-Abklatsch sein! Störender ist da schon, dass, obwohl der Hauptverdächtige, Rudi Fromm, und seine Verbindungen bekannt sind, eine Observation seines Wohnortes, des Wohnortes seiner Tochter und seiner Stammkneipe ausbleibt. Aus ermittlungstaktischer Sicht schlicht unverzeihlich.
Klar, dass die beiden Ermittler Sänger und Dellwo die Sache selber in die Hand nehmen, schliesslich war Fromm ihr Vorgesetzter und Freund, wer würde da nicht helfen wollen! Aber die Frage nach der Befangenheit gibt exzellentes Medien- und Juristenfutter ab. Ein mehr als heisses Thema, welches Staatsanwalt Dr. Scheer auch anschneidet, als er auf das Schlagzeilenpotenzial der Geschichte zu sprechen kommt.
Sänger und Dellwo stellen sich bei der Observation von Fromm dermassen ungeschickt an, was bei Ermittlern, welche keine Fahndungs- und Observationsspezialisten sind, durchaus realistisch ist, dass es Fromm bei der Festnahme auf den Punkt bringt: “Haltet ihr mich eigentlich für bescheuert?“
Leider verirren sich die beiden Ermittler, nachdem die Vorgeschichte der Morde bekannt wird, in der Annahme, dass Rudi Fromm das nächste Opfer sein könnte. Da aber von einem Rachefeldzug ausgegangen werden muss, ist es nur logisch, dass die nächsten Angehöri-gen auch die nächsten Ziele des Mörders sein müssen. Das schmerzt meinen kriminologi-schen Verstand.
Spannend ist das Verhältnis zwischen Sänger und Dellwo. Während des gesamten Films frage ich mich, ob sie sich mögen oder nicht. Vor allem, als Dellwo sich immer wieder vor den wirklich unangenehmen Aufgaben eines Polizeibeamten drückt und Sänger vorschiebt. Ist Dellwo deswegen gleich feige? Oder geht ihm das Ganze einfach zu nahe und zehrt an seiner Substanz? Sein grob skizzierter Lebens- und Arbeitsstil lässt eher auf das Zweite schliessen Schade ist auch, dass Sänger und Dellwo die ganze Arbeit im Alleingang erledigen müssen. Aber mal im Ernst, tun das nicht alle Film-Helden? Macht sie nicht erst die Einsamkeit letzt-lich dazu? Schön, dass zumindest am Schluss des Films, angesichts der ganzen Tragödie, aus den Ermittlern ein Team wird. Das ist wahrlich aus dem wahren Leben gegriffen.
Friedrich Greutert, Bassersdorf
——
Manifestations
| Lu | Ma | Me | Je | Ve | Sa | Di |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 30 | 01 | 02 | 03 | 04 | 05 | 06 |
| 07 | 08 | 09 | 10 | 11 | 12 | 13 |
| 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 |
| 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 |
| 28 | 29 | 30 | 01 | 02 | 03 | |
| 07 | 08 | 09 | 10 |




Manifestations
Tatort - Experten rezensieren den Fernsehkrimi
Panier
(0)